Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr: Prüfungsfragen mit Lösungen
Wer nach Prüfungsfragen für die IHK-Fachkundeprüfung im Güterkraftverkehr sucht, findet vor allem Bücher, Seminarwerbung und Fragensammlungen ohne Quellenangabe. Dieser Artikel geht einen anderen Weg: Er erklärt die vier Aufgabenformate der Prüfung und rechnet zu jedem Format eine Beispielfrage vollständig durch, mit Lösung, Erklärung und der amtlichen Rechtsquelle, aus der sich die Antwort ergibt. So sehen Sie nicht nur, was gefragt wird, sondern auch, wie eine belastbare Übungsfrage aussehen muss.
Die vier Aufgabenformate mit Beispielfragen
Die Form der Prüfung gibt der europäische Gesetzgeber vor: Die obligatorische schriftliche Prüfung besteht aus zwei Teilprüfungen mit einer Mindestdauer von je zwei Stunden. Der erste Teil enthält schriftliche Fragen, und zwar Multiple-Choice-Fragen mit vier Antwortmöglichkeiten, Fragen mit direkter Antwort oder eine Kombination beider Systeme. Der zweite Teil besteht aus schriftlichen Übungen und Fallstudien (Anhang I Teil II VO (EG) 1071/2009). Zum Bestehen sind mindestens 60 Prozent der Gesamtpunktzahl nötig, in jeder Teilprüfung mindestens 50 Prozent der dort möglichen Punkte. Wie die beiden Teile im Detail ablaufen, erklärt der Beitrag zum Aufbau der Fachkundeprüfung.
In der Praxis begegnen Ihnen daraus vier Aufgabenformate: reine Multiple-Choice-Fragen, Nenn- und Erklärungsaufgaben mit direkter Antwort, Kennzeichnungsaufgaben, bei denen mehrere Aussagen einzeln als richtig oder falsch zu bewerten sind, sowie Rechen- und Fallaufgaben. Für jedes Format folgt jetzt eine eigenständig formulierte Beispielfrage mit vollständiger Lösung.
Format 1: Multiple-Choice mit vier Antwortmöglichkeiten
Eine Frage, vier Antworten, genau eine ist richtig. Der Punktwert je Frage ist klein, dafür ist die Zahl der Fragen hoch. Entscheidend ist, die Zahlenwerte der wichtigsten Vorschriften sicher zu kennen, denn die falschen Antworten liegen oft nah an der richtigen.
Beispielfrage: Ein Frachtführer haftet nach dem Handelsgesetzbuch für den Verlust des Gutes. Auf welchen Betrag ist die Entschädigung wegen Verlust oder Beschädigung begrenzt?
- a) 2 Rechnungseinheiten je Kilogramm des Rohgewichts
- b) 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm des Rohgewichts
- c) 40 Rechnungseinheiten je Kilogramm des Rohgewichts
- d) Die Haftung ist der Höhe nach unbegrenzt
Lösung: Antwort b. Die Entschädigung ist auf 8,33 Rechnungseinheiten für jedes Kilogramm des Rohgewichts des Gutes begrenzt.
Erklärung: Die Rechnungseinheit ist das Sonderziehungsrecht des Internationalen Währungsfonds; der Betrag wird zum aktuellen Kurs in Euro umgerechnet. Denselben Wert von 8,33 Sonderziehungsrechten je Kilogramm verwendet auch die CMR im grenzüberschreitenden Verkehr, weshalb diese Zahl in der Prüfung in beiden Zusammenhängen auftauchen kann.
Rechtsquelle: § 431 Abs. 1 und 4 HGB.
Format 2: Fragen mit direkter Antwort
Nenn- und Erklärungsaufgaben verlangen eigene Formulierungen statt Ankreuzen: Nennen Sie zwei Voraussetzungen, erläutern Sie einen Begriff, geben Sie eine Frist an. Hier zeigt sich, ob Sie den Stoff aktiv beherrschen. Punkte gibt es je genannter Position, deshalb lohnt es sich, die geforderte Anzahl vollständig auszuschöpfen.
Beispielfrage: Nennen Sie die vier Anforderungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, um den Beruf des Kraftverkehrsunternehmers ausüben zu dürfen.
Lösung:
- eine tatsächliche und dauerhafte Niederlassung in einem Mitgliedstaat
- Zuverlässigkeit
- angemessene finanzielle Leistungsfähigkeit
- die geforderte fachliche Eignung
Erklärung: Die vier Anforderungen sind das Fundament des gesamten Berufszugangsrechts und tragen viele Folgefragen: Die finanzielle Leistungsfähigkeit ist mit festen Beträgen hinterlegt, die fachliche Eignung wird regelmäßig durch die Fachkundeprüfung nachgewiesen. Wer diese Systematik kennt, beantwortet auch Anschlussfragen zu Erlaubnis und Gemeinschaftslizenz sicher.
Rechtsquelle: Art. 3 Abs. 1 VO (EG) 1071/2009.
Format 3: Kennzeichnungsaufgaben richtig oder falsch
Bei Kennzeichnungsaufgaben stehen mehrere Aussagen untereinander, und jede einzelne ist als richtig oder falsch zu bewerten. Jede Aussage zählt für sich, es gibt also Teilpunkte. Das Format prüft Präzision: Eine Aussage kann fast vollständig stimmen und trotzdem an einem einzigen Zahlenwert scheitern.
Beispielaufgabe: Kennzeichnen Sie die folgenden Aussagen zu den Lenk- und Ruhezeiten als richtig oder falsch.
| Aussage | Bewertung |
|---|---|
| 1. Die tägliche Lenkzeit darf 9 Stunden nicht überschreiten und höchstens zweimal in der Woche auf höchstens 10 Stunden verlängert werden. | richtig |
| 2. Die Fahrtunterbrechung von 45 Minuten kann in zwei Abschnitte aufgeteilt werden: zuerst mindestens 30 Minuten, danach mindestens 15 Minuten. | falsch |
| 3. Die wöchentliche Lenkzeit darf 56 Stunden nicht überschreiten. | richtig |
| 4. Die summierte Lenkzeit zweier aufeinanderfolgender Wochen darf 100 Stunden nicht überschreiten. | falsch |
Erklärung: Aussage 1 gibt Art. 6 Abs. 1 korrekt wieder. Aussage 2 vertauscht die Reihenfolge: Zulässig ist die Aufteilung in zuerst mindestens 15 und danach mindestens 30 Minuten, nicht umgekehrt. Aussage 3 entspricht Art. 6 Abs. 2. Aussage 4 nennt einen falschen Wert, die Grenze für zwei aufeinanderfolgende Wochen liegt bei 90 Stunden. Merkhilfen und Fallbeispiele zu diesem Dauerbrenner der Prüfung enthält der Beitrag zu den Lenk- und Ruhezeiten.
Rechtsquelle: Art. 6 Abs. 1 bis 3 und Art. 7 VO (EG) 561/2006.
Format 4: Rechen- und Fallaufgaben
Der zweite schriftliche Teil verknüpft die Sachgebiete zu Fallstudien rund um ein Transportunternehmen. Im Mittelpunkt steht die Fahrzeugkostenrechnung, denn der Prüfungsstoff verlangt ausdrücklich, die Kostenbestandteile des Unternehmens zu kennen und die Kosten je Fahrzeug, Kilometer, Fahrt oder Tonne berechnen zu können (Anhang I Teil I Buchst. E VO (EG) 1071/2009).
Beispielaufgabe: Ein Transportunternehmen setzt ein Fahrzeug an 225 Tagen im Jahr ein. Die festen Kosten des Fahrzeugs betragen 54.000,00 Euro im Jahr, die beweglichen Kosten 58,50 Euro je 100 Kilometer. Für eine Tagestour über 380 Kilometer ist ein Tagessatz von 500,00 Euro vereinbart. Ermitteln Sie a) die festen Kosten je Einsatztag, b) die beweglichen Kosten der Tour, c) die Gesamtkosten des Einsatztages und d) Gewinn oder Verlust des Tages. Runden Sie alle Ergebnisse auf zwei Nachkommastellen.
Lösungsweg:
- Feste Kosten je Einsatztag: 54.000,00 Euro geteilt durch 225 Einsatztage = 240,00 Euro.
- Bewegliche Kosten der Tour: 380 Kilometer geteilt durch 100 = 3,8; 3,8 mal 58,50 Euro = 222,30 Euro.
- Gesamtkosten des Einsatztages: 240,00 Euro plus 222,30 Euro = 462,30 Euro.
- Gewinn oder Verlust: 500,00 Euro minus 462,30 Euro = 37,70 Euro Gewinn.
Erklärung: Die Aufgabe folgt der Logik des Lösungsschemas der Prüfung: feste Kosten auf den Einsatztag umlegen, bewegliche Kosten über die Fahrleistung ermitteln, beides zusammen dem Erlös gegenüberstellen. Häufige Fehler sind das Umlegen der festen Kosten auf Kalendertage statt auf Einsatztage und Kommafehler beim Schritt von 100 Kilometern auf die Tourstrecke. Weitere vollständig durchgerechnete Aufgaben dieses Typs enthält der Beitrag zur Fahrzeugkostenrechnung mit Beispielen.
Rechtsquelle: Anhang I Teil I Buchst. E VO (EG) 1071/2009 (Prüfungsstoff Kostenrechnung); die Zahlenwerte sind frei gewählte Beispielwerte.
Warum es keinen amtlichen Fragenkatalog gibt
Amtlich vorgegeben sind nur zwei Dinge: das Verzeichnis der Sachgebiete und die Organisation der Prüfung (Anhang I VO (EG) 1071/2009 in Verbindung mit § 4 GBZugV). Die konkreten Prüfungsbögen erstellen die Industrie- und Handelskammern als gemeinsamen Fragebogen. Diese Bögen werden nicht veröffentlicht, sie wechseln von Termin zu Termin, und sie tragen einen ausdrücklichen Urheberrechtsvermerk: Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe sind nicht gestattet.
Daraus folgt eine ehrliche Ansage, die auf vielen Werbeseiten fehlt: Niemand kann Ihnen die Original-Prüfungsfragen des nächsten Termins verkaufen, weder ein Verlag noch eine Lernplattform. Wer mit Originalfragen wirbt, verspricht etwas, das es rechtlich nicht geben darf. Seriöse Vorbereitung bedeutet, eigenständig formulierte Fragen zu üben, die dieselben Sachgebiete, dieselben Formate und dieselbe Rechtslage abdecken wie die Prüfung selbst. Genau daran entscheidet sich, ob das Üben trägt, denn die Prüfung stellt keine auswendig lernbaren Fragen, sondern prüft die Rechtslage in wechselnden Einkleidungen.
Woran Sie seriöse Übungsfragen erkennen
Wenn ohnehin niemand die Originalbögen anbieten darf, stellt sich die Frage, welches Übungsmaterial sein Geld wert ist. Drei Merkmale trennen belastbare Fragen von beliebigen Quizsammlungen:
- Rechtsquelle je Frage: Jede Frage nennt Artikel oder Paragraf, aus dem sich die Lösung ergibt. Nur so können Sie die Antwort selbst nachprüfen, statt der Sammlung blind zu vertrauen.
- Aktualität: Das Verkehrsrecht ändert sich laufend, etwa durch das Mobilitätspaket mit der Lizenzpflicht für Fahrzeuge über 2,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Verkehr. Eine Fragensammlung ohne erkennbaren Rechtsstand veraltet unbemerkt und trainiert falsche Antworten an.
- Erklärung statt Lösungsbuchstabe: Ein nacktes b als Lösung bringt wenig. Erst die Begründung macht aus einer Frage einen Lerneffekt, der auch die nächste, anders formulierte Frage zum selben Thema trägt.
Diese drei Kriterien sind kein Selbstzweck. Ein erheblicher Teil der Kandidaten scheitert, weil mit unstrukturiertem oder veraltetem Material geübt wurde; die Hintergründe beleuchtet der Beitrag zur Durchfallquote der Fachkundeprüfung. Und jeder Fehlversuch kostet doppelt: Prüfungsgebühr und verlorene Zeit. Was insgesamt auf Sie zukommt, zeigt die Übersicht der Kosten rund um Prüfung und Vorbereitung.
Wo Sie kostenlos üben können
Den Einstieg macht der Bestehens-Check: kostenlos, ohne Anmeldung, mit Fragen aus den Sachgebieten der Prüfung, einer kleinen Kalkulationsaufgabe und einer Auswertung nach Sachgebieten. In rund zehn Minuten sehen Sie, wo Sie stehen und welche Sachgebiete Sie zuerst angehen sollten.
Für die vollständige Vorbereitung stellt FRACHTKUNDE einen Prüfungstrainer zum Selbststudium bereit: über 4.000 eigenständig aus den amtlichen Rechtsquellen erstellte Prüfungsfragen in allen vier Aufgabenformaten (Stand 5. Juli 2026: 4.252 freigegebene Fragen). Jede Frage trägt ihre Rechtsquelle und eine Erklärung, ein Wiederholungsalgorithmus steuert, wann welche Frage wieder an der Reihe ist. Details zum Umfang finden Sie auf der Seite des Prüfungstrainers.
Kostenlosen Bestehens-Check startenPakete vergleichenHäufige Fragen zu Prüfungsfragen und Lösungen
Gibt es einen amtlichen Fragenkatalog für die Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr?
Nein. Amtlich vorgegeben sind nur die Sachgebiete und die Prüfungsform (Anhang I der VO (EG) 1071/2009). Die konkreten Prüfungsbögen werden als gemeinsamer Fragebogen der Industrie- und Handelskammern erstellt, sind urheberrechtlich geschützt, werden nicht veröffentlicht und wechseln von Termin zu Termin.
Welche Aufgabenformate kommen in der Prüfung vor?
Vier Formate: Multiple-Choice-Fragen mit vier Antwortmöglichkeiten, Fragen mit direkter Antwort, Kennzeichnungsaufgaben mit Richtig-oder-falsch-Bewertung sowie Rechen- und Fallaufgaben. Der zweite schriftliche Teil besteht aus Übungen und Fallstudien, in deren Mittelpunkt die Fahrzeugkostenrechnung steht.
Wie viele Punkte brauche ich zum Bestehen?
Mindestens 60 Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl, wobei der Punkteanteil in jeder Teilprüfung nicht unter 50 Prozent der dort möglichen Punktzahl liegen darf (Anhang I Teil II VO (EG) 1071/2009).
Woran erkenne ich seriöse Übungsfragen?
An drei Merkmalen: Jede Frage nennt ihre Rechtsquelle mit Artikel oder Paragraf, der Rechtsstand ist aktuell, und zu jeder Lösung gehört eine Erklärung, die den Weg zur richtigen Antwort nachvollziehbar macht.
Wo kann ich kostenlos Prüfungsfragen üben?
Mit dem Bestehens-Check von FRACHTKUNDE: kostenlos, ohne Anmeldung, mit Fragen aus den Sachgebieten der Prüfung und einer Auswertung nach Sachgebieten. Für die vollständige Vorbereitung im Selbststudium steht der Prüfungstrainer mit über 4.000 Fragen in allen vier Aufgabenformaten bereit.
Sind originale IHK-Prüfungsbögen zum Üben erhältlich?
Nein. Die Bögen tragen einen ausdrücklichen Urheberrechtsvermerk; Vervielfältigung und Verbreitung sind nicht gestattet. Seriöse Übungsfragen sind deshalb eigenständig aus den amtlichen Rechtsquellen formuliert und decken dieselben Sachgebiete und Formate ab.